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Disposition Stieffellorgel aus dem Jahre 1843
1 Manual, Pedal, mechnische Traktur |
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| HAUPTWERK | PEDALWERK | ||
| Manual | C - d''' | Pedal | C - d |
| Principal | 4' | Subbass | 16' |
| Bourdon | 8' | Gedeckbass | 8' |
| Mixtur | Flötbass | 4' | |
| Oktav | 2' | ||
| Salicional | 8' | ||
In den Sinzheimer Filialkirchen standen früher keine Pfeifenorgeln für die Kirchenmusik zur Verfügung. In Winden, Kartung und Schiftung erklang nur ein Harmonium. Als erste Filialkirche erhielt die Windener Kirche im Jahr 1961 eine kleine Pfeifenorgel mit 8 Registern. Verschiedene glückliche Zufälle waren zusammengetroffen, die zum Kauf dieses Instrumentes führen.
-1- In Winden stand eine neue Kirche mit einer großen Empore und einem kleinen Harmonium.
-2- Ein junger Organist, Josef Huck, begann hier seinen Dienst und erfuhr von seinem Orgellehrer, daß eine in Konkurs gegangene Orgelbauwerkstätte eine kleine Orgel zum Preis von 8.000 DM abgibt.
-3- Der damalige Kaplan Allgaier wird Verbündeter des Organisten und bringt Herrn Pfarrer Kiefer schonend bei, wie schön sich eine Orgel in dieser neuen Kirche machen würde.
-4- In einem Sonntagsgottesdienst versagt das alte Harmonium seinen Dienst wegen einer gebrochenen Fester.
Nun kam grünes Licht aus dem Pfarrhaus. Die Orgel durfte nun gekauft werden. Im Wohnzimmer des Stiftungsrates Adolf Hillert wurde der Kaufvertrag mit der bisherigen Besitzerin, Frau Anni Hess, Baden-Baden, unterzeichnet. Als am 29. Juni 1961 Herr Karl Drapp mit seinem Lastwagen die Einzelteile der Orgel von der Orgelwerkstätte Hess in Durlach in die Windener Kirche brachte, schüttelten viele Leute hier die Köpfe. Das sollte eine Orgel sein: Bretter, Pfeifen aus Holz und Metall, kleine Hölzchen, größere Holzteile, ein Motor usw. Viele Windener wußten damals noch nicht, wie eine Orgel beschaffen ist.
In den nächsten beiden Wochen wurde die Orgel durch den bescheidenen Orgelbauer Dingeldein in mühsamer Arbeit zusammengebaut Bei Aufbau ergaben sich Schwierigkeiten. Das Orgelgehäuse war zu hoch. Der Raum zwischen Boden und Decke der Empore war 5 cm zu niedrig. Der damalige Stiftungsrat Karl Schickinger wußte Rat. Er und Herr Alfred Lorenz nahmen das Gehäuse 5 cm ab. Der Orgelbauer tat das übrige. Er kröpfte die größten Pfeifen, daß sie in den verkleinerten Kasten paßten. Am Sonntag, den 6. Juli konnte die Orgel teilweise, am Sonntag, dem 13. Juli dann vollkommen gespielt werden. Zum Finanzierung der Unkosten veranstateten die Windener Bürger in Zusammenarbeit mit allen Windener Vereinen in den Jahren 1961 und 1962 ein Sommerfest auf dem Platz oberhalb der Kirche.
Am Sonntag, dem 1. Oktober fand dann die eigentliche Orgelweihe statt. Der Organist der Stiftskirche Baden-Baden, Musikdirektor Hans Hegner verstand es, sämtliche Feinheiten dieser schönen Orgel zum Erklingen zu bringen. Bei dieser Feier wirkten auch die beiden Kirchenchöre aus Sinzheim und Winden mit.
Im Nachhinein mußte man jetzt zugeben, daß mit dem Erwerb dieses Instrumentes unsere Filialkirche mit einem Kleinod besonderer Art bereichert worden war. nun erst wurde man sich bewußt, was man da für 8.000 DM gekauft und für 600 DM zusammengebaut hatte (Vergleichszahlen Kartunger Orgel 1985 12.500 DM - Aufbaukosten: 17.500 DM)
Im Spieltisch befand sich eine kleine Inschrift:
"Diese Orgel wurde neu gefertigt von Gebr. Stieffell im Jahr 1843"
Wie kam nun diese alte Orgel nach Winden?
Sie war im Besitz der Orgelbaufirma Hess in Durlach und wurde immer wieder als Notorgel in verschiedenen Kirchen aufgestellt, wenn dort eine neue Orgel aufgebaut wurde, was ja immer längere Zeit beansprucht. Nach dem 2. Weltkrieg diente sie der Karlsruher Pfarrei St. Elisabeth 10 Jahre als Notorgel, bis die wieder aufgebaute Kirche wieder eine neue Orgel bekam. Dort wurde sie von dem blinden Organisten Walter Schwan gespielt. Dieser Organist hat in der B.-Badener St. Josefskirche schon öfters Orgelkonzerte veranstaltet.
Weitere Nachforschungen ergaben, daß unsere Orgel ursprünglich in der Kirche von Langenbrand im Murgtal stand. in den dreißiger Jahren wurde in die dortige Kirche eine neue, größere Orgel eingebaut. unsere kleine Orgel sollte verschrottet werden. Der Orgelbaumeister Carl Hess nahm sie jedoch an sich und baute sie geringfügig um. Er ersetzte eine 4' Flöte durch eine Mixtur und baute, allerdings nicht stilgerecht, in die mechanische Orgel ein pneumatisches Pedal mit 3 Registern ein. Dadurch bekam die Orgel einen volleren Klang und konnte nun auch in größeren Kirchen als Notorgel dienen. Vier Register: Bourdon 8', Salicional 8', Principal 4' und Octav 2' sowie die mechanische Spieltraktur und das schöne Eichenholzgehäuse sind noch original von den Gebrüdern Stieffell erhalten. Jede Pfeife dieser 4 Register trägt noch die Markierungen dieser Orgelbauer.
Die Brüder Franz-Christian und Max-Ulrich Stieffell lebten in Rastatt und erbauten mit ihrem Vater Ferdinand (173-1818) fast 90 Orgeln, vor allem im süddeutschen Raum. Die berühmteste Orgel dieser Stieffells dürfte wohl die Orgel in der Rastatter Stadtkirche St. Alexander sein. Sie wurde allerdings im Jahr 1964 restauriert und vergrößert und dadurch im Klang entfremdet. Auch in den Kirchen von Iffezheim und Sandweier stehen Stieffell-Orgeln.
Wir dürfen uns freuen, daß wir hier in Winden eine noch fast originale, 143 Jahre alte Stieffell-Orgel besitzen, deren Wert heute nicht mehr zu bezahlen wäre.
Verschiedene Orgelbauer haben unsere Orgel schon inspiziert und sie als Meisterwerk der Orgelbaukunst bezeichnet.
Für die Qualität des Instruments spricht auch, daß sie in den 25 Jahren, seit sie hier aufgestellt ist, nie ihren Dienst versagte, weder im heißesten Sommer, noch im kältesten Winter. Außer Stimmungen wurde in dieser Zeit keine Reparaturen erforderlich.
wohl 1986 verfasst
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